Landschaft5.jpg

Entdecken Sie Schifferstadt

Stolpersteinverlegung 2014, Bahnhofstrasse 48

Familie Levy


Mit ihrem Mann, von dem sie bei der Heirat den Nachnamen Levy erhielt, hatte sie den Sohn Leo, der die aus Schifferstadt stammende Meta Carola Löb heiratete. Mit dem jungen Ehepaar, das seinen Wohnsitz zunächst in Busenberg genommen hatte, kam sie 1938 nach Schifferstadt. Die Grundstücke ihrer Familie wurden im Jahr darauf enteignet. Am 22. Oktober 1940, dem Tag der letzten großen Verhaftungswelle gegen die Juden in der Pfalz, wurde sie nach Gurs deportiert, danach in Noé und Nexon interniert. Rosa aber gelangen Flucht und Auswanderung in die USA.

Leo Levy war Rosa Levys Sohn und wurde 1900 in Busenberg geboren. Von Beruf war er Viehhändler. Leo heiratete 1928 Meta Löb aus Schifferstadt, die zunächst zu ihrem Ehemann zog. 1938 aber fühlte sich die Familie dort nicht mehr sicher und zog nach Schifferstadt zu Metas Eltern, doch auch hier war die Familie in Gefahr. Zuerst wurde Leo am 11. November 1938 in sogenannte Schutzhaft genommen und im Konzentrationslager Dachau interniert. Im Januar des folgenden Jahres von dort entlassen, musste er Zwangsarbeit im Straßenbau leisten. Damals wurde die Speyerer Straße befestigt. Zusammen mit Frau und Mutter wurde er am 22. Oktober 1940 nach Gurs verschleppt. Anders als sie kam er von dort nach Drancy, von wo er in ein Vernichtungslager im Osten Europas gebracht wurde. Dort wurde Leo Levy 1944 ermordet.

Meta Carola Löb wurde am 11. Oktober 1904 in Schifferstadt geboren. 1928 heiratete sie Leo Levy aus Busenberg. Das junge Paar hatte die Kinder Kurt und Hanna Barbara. Die junge Familie kam gemeinsam mit Leos Mutter Rosa 1938 nach Schifferstadt zu Metas Eltern. Da deren Haus die aus Busenberg mitgebrachten Möbel der Familie nicht aufnehmen konnte, wurden sie in der Synagoge untergestellt, wo sie beim Terrorakt gegen jüdische Gotteshäuser am 9. November 1938 verbrannten. Zwei Tage später wurde Metas Mann in sogenannte Schutzhaft genommen und nach Dachau verbracht. Von dort zurückgekehrt, wurde er zu Zwangsarbeit herangezogen. Vergeblich bemühte sich Meta um eine Ausreise nach Argentinien. Am 22. Oktober 1940 wurde Familie Levy aus Schifferstadt nach Gurs deportiert. Meta wurde 1942 in Auschwitz ermordet.

Kurt war der Sohn Meta und Leo Levys und wurde 1930 in Busenberg geboren. Acht Jahre war er alt, als die Familie zu den Großeltern mütterlicherseits nach Schifferstadt zog. Er durfte aber in diesem Ort nicht in die Schule gehen, sondern nur im acht Kilometer entfernten Speyer. Das Fahrrad, das er zu diesem Zweck bekommen hatte, nahm ihm ein Schifferstadter Junge weg, dessen Vater es dann nicht mehr herausgab. Gegen solche Übergriffe konnte sich die jüdische Familie nicht wehren. Im Jahr danach wurde Kurt einem Onkel übergeben, der ihn nach Weißenburg im Elsass brachte. Von dort floh Kurt, der sich hier den Namen Claude zulegte, weiter nach Süden und überlebte den NS-Terror versteckt in Frankreich.

Stolperstein

Hanna Barbara wurde am 27. September 1935 geboren. Mit drei Jahren kam sie mit ihrer Familie nach Schifferstadt zu den Großeltern mütterlicherseits. Nachdem die gesamte Familie am 22. Oktober 1940 von Schifferstadt nach Gurs deportiert worden war, wurde sie auseinandergerissen. Hanna Barbaras Eltern starben in Vernichtungslagern im Osten. Sie und ihre Großmutter überlebten in Südfrankreich. Nach der Befreiung zog Hanna Barbara nach Palästina, wo sie 1958 heiratete. Sie heißt nun Chana Yitzhaky.


Text zum Gedenken:

Primo Levi Sch’ma (Höre!)

 

Ihr, die ihr sicher wohnt

In euren gewärmten Häusern,

Ihr, die ihr bei der Heimkehr am Abend

Warmes Essen findet und Freundesgesichter:

 

Fragt, ob das ein Mann ist:

Der arbeitet im Schlamm

Der kennt keinen Frieden

Der kämpft um ein Stück Brot

Der stirbt auf ein Ja, auf ein Nein hin.

Fragt, ob das eine Frau ist:

Kahlgeschoren und ohne Namen

Ohne Kraft der Erinnerung mehr

Leer die Augen und kalt der Schoß

Wie eine Kröte im Winter.

 

Denkt, daß dieses gewesen:

Diese Worte gebiete ich euch.

Ins Herz schärft sie euch ein,

Wenn ihr im Haus seid oder hinausgeht,

Wenn ihr euch niederlegt oder erhebt:

Sprecht sie wieder und wieder zu euren Söhnen.

 

Sonst sollen eure Häuser zerbersten,

Krankheiten über euch kommen,

Eure Nachgeborenen das Gesicht von euch wenden.

 

(10. Januar 1946)

Nach: http://www.yadvashem.org/yv/de/education/lesson_plans/poems_paintings.asp