Landschaft5.jpg

Entdecken Sie Schifferstadt

Stolpersteine

Im November 2014 und März 2016 wurden an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet insgesamt 26 Stolpersteine verlegt.

Der Künstler Gunter Demnig erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einlässt. Inzwischen liegen STOLPERSTEINE in über 500 Orten Deutschlands und in mehreren Ländern Europas.


Verlegung im November 2014

Allestraße 8: Familie Mängen

Klara Mängen wurde 1878 in Schifferstadt geboren und wuchs hier auf. Sie war das zweite von elf Kindern der Eheleute Abraham Landmann und Jeanette geb. Riechheimer. Am 7. Oktober 1904 heiratete sie den Kaufmann Alexander Mängen. Er handelte mit Tabak, Zigaretten und Spirituosen. in Schifferstadt. Klara hatte drei Kinder. Sohn Herbert, geb. 1905, starb schon mit zehn Jahren. Außerdem gab es Tochter Liese und Sohn Heinz. Ehemann Alexander starb im Alter von 55 Jahren 1932 und wurde in Mannheim beerdigt. In der ersten Zeit nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten erfuhr Klara noch Unterstützung durch Nachbarn und konnte ihr Geschäft noch eine Weile weiter betreiben. Sie wurde heimlich nachts über die Gärten hinweg von der Nachbarschaft unterstützt. Erst spät gab sie dem Druck nach und verzog am 04.06.1940 nach Mannheim und vier Wochen später nach Berlin, nachdem ihre Kinder bereits ausgewandert waren. Von dort wurde sie deportiert und in Polen ermordet.

Alice wurde am 7. Februar 1907 in Schifferstadt geboren. Sie muss eine mutige Person gewesen sein. Als sie 13 Jahre alt war, rettete sie einem vierjährigen Schifferstadter Mädchen, das in den Hochwasser führenden und daher reißenden Rehbach gefallen war, das Leben. Als ihr Vater starb, war sie bereits erwachsen und konnte in den ersten Jahren nach 1933 noch ihrer Mutter beistehen. Doch 1936 hielt sie die Schikanen der Nationalsozialisten nicht mehr aus und verließ Schifferstadt. Über Mannheim und Frankfurt kam sie nach England und ließ sich 1937 in den USA nieder, wo sie bis zu ihrem Lebensende wohnte.

Heinz Mängen wurde am 7. Dezember 1916 in Mannheim geboren. Als sein Vater 1936 starb, war er noch nicht volljährig. Er lebte noch bei seiner Mutter Klara, die in den ersten Jahren nach Hitlers Herrschaftsantritt noch ihr Geschäft weiterführen konnte. Ein Bild aus diesen Jahren zeigt Klara, die nicht ohne Stolz auf ihren jüngsten Sohn blickt. Mit 19 Jahren aber wurde Heinz von NS-Terror aus seinem Heimatort vertrieben. Zuerst begab er sich nach Mannheim, von dort floh er weiter nach England, wo er nach 1988 starb.

Klara Mängen.JPG

Text zum Gedenken:

Mascha Kaléko: Letztes Lied.

 Ich werde fortgehn, Kind. Doch Du sollst leben
Und heiter sein. In meinem jungen Herzen
Brannte das goldne Licht. Das hab ich Dir gegeben,
Und nun verlöschen meine Abendkerzen.

 Das Fest ist aus, der Geigenton verklungen,
Gesprochen ist das allerletzte Wort.
Bald schweigt auch sie, die dieses Lied gesungen
Sing Du es weiter, Kind, denn ich muss fort.

Den Becher trank ich leer, in raschem Zug
Und weiß, wer davon kostete, muss sterben …
Du aber, Kind, sollst nur das Leuchten erben
Und all den Segen, den es in sich trug:

Mir war das Leben wie ein Wunderbaum,
von dem in Sommernächten Psalmen tönen.
– Nun sind die Tage wie geträumter Traum;
Und alle meine Nächte, alle – Tränen.

Ich war so froh. Mein Herz war so bereit.
Und Gott war gut. Nun nimmt er alle Gaben.
In Deiner Seele, Kind, kommt einst die Zeit,
soll, was ich nicht gelebt, Erfüllung haben.

Ich werde still sein; doch mein Lied geht weiter.
Gib Du ihm deinen klaren, reinen Ton.
Du sei ein großer Mann, mein kleiner Sohn.
Ich bin so müde – aber Du sei heiter.

 Nach: Mascha Kaléko: Sämtliche Werke und Briefe. Hrsg. und komm. von Jutta Rosenkranz, Bd. I: Werke. München 2012, S. 654f.

 
Bahnhofstr. 50: Georg May

Georg May wurde 1886 in Schifferstadt geboren. Über sein Leben bis zum 16. Lebensjahr gibt es nur wenige Nachrichten. Mit 16 Jahren absolvierte er eine Ausbildung zum Küfer, dann ging er als Geselle auf der Walz durch mehrere Länder. Als Kohlentrimmer auf einem Truppentransporter fuhr er mit 18 Jahren bis nach Japan. Drei Jahre leistete er Wehrdienst bei der 1. Torpedo-Division in Kiel, wo er sich auch im Ringerclub engagierte. In Schifferstadt heiratete er und eröffnete einen Weinhandel, den er bald aber schließen musste. Darauf heuerte er als Stewart in Hamburg an. Im Ersten Weltkrieg diente er ab 1914 an der Westfront, stets in der ersten Linie, ab März 1918 verbüßte er eine dreijährige Haft wegen Angriffs auf einen Feldwebel. Aus dem Gefängnis durch Novemberrevolution befreit, war er einige Monate in Soldatenräten aktiv. In einem erfolgreichen zweiten Anlauf eröffnete er wieder ein Weingeschäft in Schifferstadt. Georg May genannt auch der "Bärenmay" engagierte sich ab 1923 in der Seperatistenbewegung, auch in führender Position, die eine autonome Pfalz anstrebte. Wegen seiner Teilnahme an einem Putsch 1923/24 wurde er geächtet. 1932 verlor er sein Haus, das 1933 zur Zentrale der NSDAP wurde. Er selbst flieht ins Saarland aus Furcht vor Verfolgung durch die Nazis. 1934 kam er aus Heimweh wieder zurück. Doch es folgte trotz herzlichem Willkommen ein Ortsverbot durch die Zentralverwaltung, aufgrund der Befürchtung, er würde die Schifferstädter polit. Aufhetzen oder Unruhe stiften. Er wohnte in wechselnden Orten um Schifferstadt herum, versuchte alles bis zur Reichskanzlei, das Verbot aufheben zu lassen und unterschrieb sogar eine Bittschrift mit Heil Hitler. Nach mehrmaligen Rückkehrversuchen wurde er im Mai 1936 in Ludwigshafen wegen angeblichem Hochverrat verhaftet. Am 4.1.1937 erfolgte der Schutzhaftbefehl und die Deportation nach Dachau. Am 30. Januar 1937, nur sieben Tage nach der Einlieferung in Dachau wurde Georg May auf dem Weg ins Krankenhaus erschossen. Die näheren Umstände seines Todes wurden nicht geklärt. Trotz mehrerer Anträge seiner Witwe erhielt Frau May weder Entschädigung noch Unterstützung durch staatliche Stellen, dies unter Hinweis auf „unehrenhafte Separatistentätigkeit“ ihres Mannes.

Stolperstein

Text zum Gedenken:

Aus: Lion Feuchtwanger:

„Du sollst in Häusern wohnen, die Du nicht gebaut hast.“

An den Bewohner meines Hauses […]

Ich weiß nicht, wie Sie heißen, mein Herr, und auf welche Art Sie in den Besitz meines Hauses gelangt sind. Ich weiß nur, dass vor zwei Jahren die Polizei des Dritten Reichs mein gesamtes bewegliches und unbewegliches Vermögen beschlagnahmt und der Reichsaktiengesellschaft für Konfiskation des Vermögens politischer Gegner (Aufsichtsratsvorsitzender Minister Göring) überwiesen hat.

Ich erfuhr das aus einem Schreiben der Hypothekengläubiger. Sie teilten mir erläuternd mit, die Rechtsprechung des Dritten Reichs verstehe, wenn es sich um das konfiszierte Vermögen politischer Gegner handle, unter ‚Vermögen‘ nur die Aktiva. Trotzdem also mein Haus und meine Banknoten, die die Hypothek um ein Vielfaches überstiegen, konfisziert seien, sei ich verpflichtet, die Hypothekenzinsen genauso wie meine deutschen Steuern aus meinem im Ausland neu zu erwerbenden Vermögen weiter zu bezahlen.

Sei dem wie immer, jedenfalls sitzen jetzt Sie, Herr X, in meinem Haus, und ich habe nach der Auffassung deutscher Richter die Zinsen zu zahlen.

Wie gefällt Ihnen mein Haus, Herr X? Lebt es sich angenehm darin? Hat der silbergraue Teppichbelag der oberen Räume bei der Plünderung durch die SA-Leute sehr gelitten? […]

Was fangen Sie wohl mit den beiden Räumen an, die meine Bibliothek enthielten? Bücher, habe ich mir sagen lassen, sind nicht sehr beliebt in dem Reich, in dem Sie leben, Herr X, und wer sich damit befasst, gerät leicht in Unannehmlichkeiten. Ich zum Beispiel habe das Buch Ihres „Führers“ gelesen und harmlos konstatiert, dass seine 140.000 Worte 140.000 Verstösse gegen den deutschen Sprachgeist sind.

Infolge dieser meiner Feststellung sitzen jetzt Sie in meinem Haus. Manchmal denke ich darüber nach, wofür man wohl im Dritten Reich die Büchergestelle verwenden könnte. Seien Sie vorsichtig, falls Sie sie herausreißen lassen, dass die Mauer darunter nicht leidet. […]

Und was haben Sie mit dem Terrarium angefangen im Fenster der Längswand meines Arbeitszimmers? Hat man wirklich meine Schildkröten und meine Eidechsen totgeschlagen, weil ihr Besitzer „fremdrassig“ war? […]

Kommt es Ihnen übrigens nicht doch manchmal merkwürdig vor, dass Sie in meinem Haus sitzen? Ihr „Führer“ gilt sonst nicht für einen Freund der jüdischen Literatur. Ist es da nicht erstaunlich, dass er sich so gern an das Alte Testament hält? Ich selber habe ihn mit viel Stimmaufwand zitieren hören: „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ (womit er wohl „Vermögenskonfiskation um literarische Kritik“ meinte). Und jetzt hat er auch Ihnen eine Verheißung des Alten Testaments wahrgemacht, den Spruch: „Du sollst in Häusern wohnen, die du nicht gebaut hast.“ [Ex 21,24]

Lassen Sie mein Haus nicht verkommen, Herr X. Es zu bauen und einzurichten, hat Frau Feuchtwanger und mir viel Mühe gemacht. Es zu bewirtschaften und zu erhalten, macht nicht viel Mühe. Pflegen Sie es, bitte, ein bisschen. Ich sage das auch in Ihrem Interesse. Ihr „Führer“ hat versprochen, dass seine Herrschaft tausend Jahre dauern wird: ich nehme also an, Sie werden bald in der Lage sein, sich mit mir über die Rückgabe des Hauses auseinanderzusetzen.

Mit vielen guten Wünschen für unser Haus

Lion Feuchtwanger.

Nach: „Wer schweigt wird schuldig!“ Offene Briefe von Martin Luther bis Ulrike Meinhof. Hrsg. Und komm. Von Rolf-Bernhard Essig und Reinhard M. G. Nickisch, Göttingen 2007, S. 153-156

 

Bahnhofstr. 48: Familie Levy

Rosa Schwarz wurde 1872 in Busenberg in der Westpfalz geboren, wo es eine bedeutende jüdische Gemeinde gab. Mit ihrem Mann, von dem sie bei der Heirat den Nachnamen Levy erhielt, hatte sie den Sohn Leo, der die aus Schifferstadt stammende Meta Carola Löb heiratete. Mit dem jungen Ehepaar, das seinen Wohnsitz zunächst in Busenberg genommen hatte, kam sie 1938 nach Schifferstadt. Die Grundstücke ihrer Familie wurden im Jahr darauf enteignet. Am 22. Oktober 1940, dem Tag der letzten großen Verhaftungswelle gegen die Juden in der Pfalz, wurde sie nach Gurs deportiert, danach in Noé und Nexon interniert. Rosa aber gelangen Flucht und Auswanderung in die USA.

 Leo Levy war Rosa Levys Sohn und wurde 1900 in Busenberg geboren. Von Beruf war er Viehhändler. Leo heiratete 1928 Meta Löb aus Schifferstadt, die zunächst zu ihrem Ehemann zog. 1938 aber fühlte sich die Familie dort nicht mehr sicher und zog nach Schifferstadt zu Metas Eltern, doch auch hier war die Familie in Gefahr. Zuerst wurde Leo am 11. November 1938 in sogenannte Schutzhaft genommen und im Konzentrationslager Dachau interniert. Im Januar des folgenden Jahres von dort entlassen, musste er Zwangsarbeit im Straßenbau leisten. Damals wurde die Speyerer Straße befestigt. Zusammen mit Frau und Mutter wurde er am 22. Oktober 1940 nach Gurs verschleppt. Anders als sie kam er von dort nach Drancy, von wo er in ein Vernichtungslager im Osten Europas gebracht wurde. Dort wurde Leo Levy 1944 ermordet.

Meta Carola Löb wurde am 11. Oktober 1904 in Schifferstadt geboren. 1928 heiratete sie Leo Levy aus Busenberg. Das junge Paar hatte die Kinder Kurt und Hanna Barbara. Die junge Familie kam gemeinsam mit Leos Mutter Rosa 1938 nach Schifferstadt zu Metas Eltern. Da deren Haus die aus Busenberg mitgebrachten Möbel der Familie nicht aufnehmen konnte, wurden sie in der Synagoge untergestellt, wo sie beim Terrorakt gegen jüdische Gotteshäuser am 9. November 1938 verbrannten. Zwei Tage später wurde Metas Mann in sogenannte Schutzhaft genommen und nach Dachau verbracht. Von dort zurückgekehrt, wurde er zu Zwangsarbeit herangezogen. Vergeblich bemühte sich Meta um eine Ausreise nach Argentinien. Am 22. Oktober 1940 wurde Familie Levy aus Schifferstadt nach Gurs deportiert. Meta wurde 1942 in Auschwitz ermordet.

Kurt war der Sohn Meta und Leo Levys und wurde 1930 in Busenberg geboren. Acht Jahre war er alt, als die Familie zu den Großeltern mütterlicherseits nach Schifferstadt zog. Er durfte aber in diesem Ort nicht in die Schule gehen, sondern nur im acht Kilometer entfernten Speyer. Das Fahrrad, das er zu diesem Zweck bekommen hatte, nahm ihm ein Schifferstadter Junge weg, dessen Vater es dann nicht mehr herausgab. Gegen solche Übergriffe konnte sich die jüdische Familie nicht wehren. Im Jahr danach wurde Kurt einem Onkel übergeben, der ihn nach Weißenburg im Elsass brachte. Von dort floh Kurt, der sich hier den Namen Claude zulegte, weiter nach Süden und überlebte den NS-Terror versteckt in Frankreich.

Hanna Barbara wurde am 27. September 1935 geboren. Mit drei Jahren kam sie mit ihrer Familie nach Schifferstadt zu den Großeltern mütterlicherseits. Nachdem die gesamte Familie am 22. Oktober 1940 von Schifferstadt nach Gurs deportiert worden war, wurde sie auseinandergerissen. Hanna Barbaras Eltern starben in Vernichtungslagern im Osten. Sie und ihre Großmutter überlebten in Südfrankreich. Nach der Befreiung zog Hanna Barbara nach Palästina, wo sie 1958 heiratete. Sie heißt nun Chana Yitzhaky.

Kurt Levy.JPG

Text zum Gedenken:

Primo Levi Sch’ma (Höre!)

 

Ihr, die ihr sicher wohnt

In euren gewärmten Häusern,

Ihr, die ihr bei der Heimkehr am Abend

Warmes Essen findet und Freundesgesichter:

 

Fragt, ob das ein Mann ist:

Der arbeitet im Schlamm

Der kennt keinen Frieden

Der kämpft um ein Stück Brot

Der stirbt auf ein Ja, auf ein Nein hin.

Fragt, ob das eine Frau ist:

Kahlgeschoren und ohne Namen

Ohne Kraft der Erinnerung mehr

Leer die Augen und kalt der Schoß

Wie eine Kröte im Winter.

 

Denkt, daß dieses gewesen:

Diese Worte gebiete ich euch.

Ins Herz schärft sie euch ein,

Wenn ihr im Haus seid oder hinausgeht,

Wenn ihr euch niederlegt oder erhebt:

Sprecht sie wieder und wieder zu euren Söhnen.

 

Sonst sollen eure Häuser zerbersten,

Krankheiten über euch kommen,

Eure Nachgeborenen das Gesicht von euch wenden.

 

(10. Januar 1946)

Nach: http://www.yadvashem.org/yv/de/education/lesson_plans/poems_paintings.asp

 

Familie Mayer

Johanna Schwarz wurde in Illingen/Saar geboren. Am 28. August 1900 heiratete sie Ludwig Mayer aus Schifferstadt, mit dem sie drei Kinder hatte: Erna Amalia, Kurt Joseph und Alice/Liese. Als ihr Mann Ludwig 1930 starb, führte sie sein Geschäft weiter, was aber aufgrund der Zumutungen der Nationalsozialisten immer schwieriger wurde. 1938 wurde Familie Mayer enteignet. Zwei Jahre später gelang den Johanna mit ihrem Sohn Kurt die Flucht nach Luxemburg. Dort aber wurde sie nach der Besetzung des Landes durch deutsche Truppen 1941 verhaftet und nach Lodz/Litzmannstadt deportiert. Johanna Mayer wurde ermordet; Ort und Zeit ihres Todes können aber nicht genau ermittelt werden.

 Erna Amalia wurde am 31. Mai 1901 als älteste Tochter von Johanna und Ludwig Mayer geboren. Wie ihre Geschwister nahm sie regen Anteil an gemeinschaftlichen Veranstaltungen der jungen Menschen in Schifferstadt. Mehrere Fotos aus den Zwanziger Jahren zeigen sie in diesem Kreis bei Fastnachtsfeiern und Ausflügen des Pfälzer Waldvereins. Als ihr Vater starb, war sie schon erwachsen. Fünf Jahre später, am 19. August 1935 heiratete sie Julius Altstaetter aus Weinheim und wanderte mit ihm unmittelbar danach in die USA aus, um der Diskriminierung und Bedrohung durch die Nationalsozialisten zu entgehen.

Kurt Mayer wurde am 19.12.1904 in Schifferstadt geboren. Er war schon seit seiner Jugend aktiver Sportler und Mitglied des Fußballvereins 13/23, dem er auch Sportbekleidung stiftete. Auch beschäftigte er sich gerne mit Stenographie, einer Disziplin, in der er mehrere Wettbewerbe gewann. 1938 wurde er enteignet, im folgenden Jahr zu Zwangsarbeit an der Speyerer Straße herangezogen. 1940 zog er mit seiner Mutter nach Luxemburg, wo er eine Frau aus der Gegend von Pirmasens heiratete. Kurt Meyer wurde 1941 nach Lodz/Litzmannstadt deportiert und 1944 in Auschwitz ermordet.

Alice, genannt Liese, war die zweite Tochter von Ludwig und Johanna Mayer. Sie wurde am 7. Februar 1909 in Schifferstadt geboren und besuchte die Höhere Töchterschule in Speyer, dann die Handelsschule in Mannheim. Alice half im Geschäft des Vaters und nahm rege am öffentlichen Leben der jungen Schifferstadter teil. Am 08.09.1938 heiratete sie Otto Strass aus Framersheim in Rheinhessen. Das Paar begab sich auf eine Schiffsreise, die es zum Wegzug aus Deutschland nutzen wollte. Lange war das Schiff im Atlantik unterwegs, bis die Passagiere endlich in Argentinien Aufnahme fanden.

Johanna Mayer.JPG

 

Text zum Gedenken:

 Mascha Kaléko: Heimweh, wonach?

 Wenn ich „Heimweh“ sage, sag ich „Traum“.

Denn die alte Heimat gibt es kaum.

Wenn ich Heimweh sage, mein ich viel:

Was uns lange drückte im Exil.

Fremde sind wir nun im Heimatort.

Nur das „Weh“, es blieb.

Das „Heim“ ist fort.

 Nach: Mascha Kaléko: Sämtliche Werke und Briefe. Hrsg. und komm. von Jutta Rosenkranz, Bd. I: Werke. München 2012, S. 668
 

Verlegung im März 2016

Schülerinnen und Schüler der 9. Jahrgangsstufe des Kurses „Darstellende Kunst“ sowie Lehrer der Realschule plus und der Fachoberschule Schifferstadt umrahmten die Veranstaltung unter dem Motto "One of those moments" mit Musik und szenisch dargestellten Erinnerungen eines alten Menschen. Genauere Informationen über die bei dieser Verlegung gesetzten Steine finden Sie im angehängten Flyer.

Wo die Stolpersteine im Stadtgebiet zu finden sind, sehen Sie auf dem Plan im Anhang.

Cookies optimieren die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.