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Ameise „Tapinoma magnum“ in Schifferstadt


Verantwortlich für Schäden in diesem Ausmaß ist die invasive Ameisenart „Tapinoma magnum“, auch Große Drüsenameise genannt. In ihren Nestern, die sich etwa einen Meter tief unter der Erde befinden, gibt es gleich mehrere Königinnen. Es bilden sich sogenannte Superkolonien, also ein Zusammenschluss aus mehreren Ameisenvölkern. Wird eine Königin getötet, bleibt der Befall bestehen, weil in der Superkolonie noch viele weitere Königinnen vorhanden sind. Durch die Kooperation können die Ameisen sehr hohe Populationsdichten erreichen – über 800 Stück können allein in einem Quadratmeter Erde leben.

Anfang Juli wurde die invasive Ameisenart auch in den Räumlichkeiten der Salierschule festgestellt. Sofort hat ein Schädlingsbekämpfer im Auftrag von Stadt- und Kreisverwaltung – letztere ist Träger der Schule – den gröbsten Befall eingedämmt. „Wir konnten bereits erste Erfolge erzielen,“ berichtet Heiko Beckmann, Referatsleiter Öffentliche Sicherheit und Ordnung der Stadtverwaltung Schifferstadt. Wichtig sei es nun „dranzubleiben“. Durch das Freischneiden der Grünanlage wolle man nun herausfinden, wo sich die Nester befinden und alles daran setzen, die Ameise davon abzuhalten, erneut ins Gebäude einzudringen.

Bei einem gemeinsamen Austausch aller Beteiligten der Verwaltungen sowie eines Schädlingsbekämpfers konnten weitere Maßnahmen, z.B. auch die Anschaffung eines Gerätes für ein Heißwasserverfahren zur Bekämpfung der Ameisenart, besprochen werden. Dieses Verfahren gilt als besonders wirkungsvoll und gleichzeitig umweltschonend.

Nun möchte die Stadtverwaltung Bürgerinnen und Bürger bestmöglich informieren und vorbereiten. Hierzu die wichtigsten Fragen und Antworten:


Wie erkenne ich die „Tapinoma magnum“?

Mit bloßem Auge und ohne Fachkenntnis lässt sich die invasive Art nur schwer von den heimischen Verwandten unterscheiden. Anhaltspunkt zur Bestimmung können sein: Der Geruch – zerdrückte Tapinoma-Ameisen verströmen einen chemisch-süßlichen Geruch, der an Aceton erinnert, und die Körpergröße, denn die Tapinoma-Ameisen sind unterschiedlich groß. Ihre Länge variiert zwischen 2,5 und 3,5 Millimetern. Sind die Ameisen etwa gleich groß, ist es wahrscheinlich eine heimische Art. Auch die Breite der Ameisenstraßen kann Hinweise auf die Art geben: Die einheimische Schwarze Wegameise bildet meist einspurige Ameisenstraßen. Tapinoma magnum hingegen bewegen sich auf mehrspurigen „Ameisen-Autobahnen“. Aufschluss geben kann auch das Aussehen der Ameisenpuppen: Bei Ameisen unterscheidet man zwischen Nacktpuppen und Puppen im Kokon. Die Tapinoma magnum entwickelt sich aus Nacktpuppen ohne Kokon. Bereits im Puppenstadium lassen sich Einzelheiten der Tiere wie etwa Beine erkennen. Die Farbe der Eier und Puppen ist weiß-transparent.

Bei ausbleibendem eigenen Bekämpfungserfolg oder außergewöhnlich hohem Aufkommen empfiehlt es sich, eine Insektenbekämpfungsfachperson hinzuzuziehen.


Wie kann ich einem Befall vorbeugen?

Die Königinnen der „Tapinoma magnum“ können nicht fliegen – sie wandern aus der bestehenden Kolonie ab. Dadurch verbreiten sie sich wesentlich langsamer als ihre geflügelten Artgenossen. Durch Topfpflanzen, Bau- und Gartenabfälle kann die invasive Art jedoch verschleppt werden, daher gilt: Verschenken Sie keine Pflanzen aus Ihrem Garten und kompostieren Sie keine süßen oder proteinreichen Lebensmittelabfälle – diese wären eine gute Nahrungsquelle für die Ameisen. Topfpflanzen sollten bei Erhalt kontrolliert werden, indem man die Pflanze aus dem Topf nimmt und den Wurzelballen überprüft. Bei Befall: Wurzelballen, Topfpflanzen und Erdreste direkt und ohne Zwischenlagerung luftdicht verpackt im Hausmüll entsorgen. Grünschnitt sollte immer über die Abholungen der Ebalu oder beim Wertstoffhof entsorgt werden – nicht in der Natur. Bauabfälle oder Materialien, die wiederverwertet werden (Pflastersteine, Betonstrukturen, Kies, Fassaden etc.), sollten begutachtet und Ameisen beispielsweise mit einem Schlauch heruntergespült werden.

Kieselgur, ein Pulver aus fossilen Kieselalgen, kann als Barriere an Stellen ausgestreut werden, an denen die Ameisen beispielsweise ins Haus eindringen könnten. Durch das Mittel trocknen die Ameisen aus.


Was kann ich tun, wenn ich einen Befall feststelle?

Hausmittel wie Essigessenz oder Backpulver zeigen – ebenso wie handelsübliche Ameisengifte – keine oder nur eine sehr geringe Wirksamkeit bei der invasiven Ameisenart. Nur eine professionelle Schädlingsfirma kann helfen. Aber handelt es sich tatsächlich um die „Tapinoma magnum“?

Für Verdachtsfälle hat die Stadtverwaltung Schifferstadt folgende Anleitung erstellt – diese soll Bürgerinnen und Bürgern Orientierung und Sicherheit im Umgang mit der Problematik geben.

  1. Sie vermuten einen Befall durch „Tapinoma magnum“? Dann lassen Sie zuerst die Art bestimmen. Senden Sie hierfür eines der Tiere an ein Institut, welches Bestimmungen vornehmen kann oder die Proben entsprechend zur Bestimmung weiterleitet.

  2. Wird der Verdacht bestätigt, wenden Sie sich bitte sowohl an einen Schädlingsbekämpfer als auch an die Stadtverwaltung unter ameisen@schifferstadt.de  

  3. Auf öffentlichen Flächen koordiniert die Stadtverwaltung die weiteren Maßnahmen. Für Privatgrundstücke bleiben die jeweiligen Eigentümerinnen und Eigentümer verantwortlich. Die Verwaltung unterstützt jedoch mit Informationen und Handlungsempfehlungen.

    „Es ist sinnvoll, betroffene Bereiche flächendeckend mit der gleichen Methode zu behandeln, da hierdurch die Erfolgsaussichten größer sind, die Ameisenkolonien unter Kontrolle zu bringen“, sagt Heiko Beckmann und ergänzt: „Hinzu kommt, dass dadurch die Ausbreitung im Auge behalten werden kann.“ Zudem sei es wichtig, dass die Stadtverwaltung die Verbreitung im Auge behalte, so Heiko Beckmann.


Für weitere Fragen und Anliegen möchte die Stadtverwaltung eine Ameisensprechstunde einrichten. Nähere Informationen werden in Kürze bekannt gegeben.